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Klangkunst

Atminas (Erinnerungen)

Marl​

Künstler >

Christina Kubisch

Entstehungsjahr >

1991

Material >

Anröchter Naturstein, fluoreszierende Pigmente, Schwarzlicht, Ultraschallmodule, Lautsprecher

Maße >

310 x 257 x 39 cm

PROJEKTBESCHREIBUNG

Christina Kubisch (*1948): Atminas (Erinnerungen), 1991, Anröchter Naturstein, fluoreszierende Pigmente, Schwarzlicht, Ultraschallmodule, Lautsprecher, 310 x 257 x 39 cm, Standort: Skulpturenhof des Skulpturen museums Glaskasten, Marl.

Bei einem Spaziergang im Umfeld des Marler Skulpturenmusems stieß Christina Kubisch auf dem nahen Friedhof auf ein Gräberfeld ehemaliger Fremdarbeiter, die während des Krieges in Marler Fabriken gearbeitet hatten und hier verstarben. Die  Reihengräber besitzen leicht abgeschrägte, annähernd quadratische Kissensteine aus Anröchter Naturstein, in die Namen und Lebensdaten der Verstorbenen eingraviert sind. Diese schlichten Steine, deren Patina und ihre stille Anonymität inspirierten die Künstlerin zu der Arbeit „Atminas“, nachdrücklich gesteigert durch den zufälligen Fund ähnlicher Grabfelder mit den gleichen Steinen auf Friedhöfen in Lettland.

Christina Kubisch ließ fünf gleich geformte Steine herstellen, reihte sie in einer Nische der Marler Skulpturenhofs nebeneinander, bestrich die raue, schrundige Oberfläche mit gelbgrünem, fluoreszierendem Pigment und brachte am Betonsturz über den Steinen Schwarzlichtlampen an, die das aufgetragene Pigment bei abnehmender Tageslichtintensität grünlich reflektieren lässt. In inneren Hohlräumen der Steine versteckte sie kleine Lautsprecher, in denen eine von der Künstlerin komponierte Klangkomposition in den für sie typischen zirpenden Tönen des hörbar gemachten Ultraschalls leise wispernd erklingt.

Die Arbeit ist ganz von den tageszeitlichen Licht- und Geräuschverhältnissen abhängig und wechselt hierdurch extrem ihren Gesamteindruck. Wirkt sie tagsüber statisch, fest, materiell, fügen die Töne sich ein in die teils natürlichen teils menschlichen Umweltlaute, so wandelt sich ihr Charakter in der Dunkelheit grundlegend: Die feste Materialität der Steine wird aufgebrochen zu einer lichten, kühl strahlenden Transparenz, geheimnisvoll und transzendierend, gesteigert noch durch den isolierenden Eigenwert der feinen und unwirklich klingenden Töne.

Den Namen „Atminas“ entlehnte die Künstlerin spontan nach ihrer dortigen Begegnung mit den Kissensteinen aus dem Lettischen. Das Wort bedeutet im Singular „Gedächtnis, Seele“ und im Plural „Erinnerungen“.

Christina Kubisch gelingt es in dieser Arbeit, den (öffentlichen) Raum durch originäre Erlebnisse in einen anderen, irrealen zu überführen. Sie zwingt den Betrachter durch die formale Anknüpfung an Grabsteine, Geschichte zu reflektieren, sich zu erinnern, aber auch – durch Ultraschall und Schwarzlicht - zu einer emotionalen wie sinnlichen Eigenerfahrung.

Autor: Uwe Rüth

STANDORT

Skulpturenhof des Skulpturen Museums Glaskasten, Marl
Creiler Platz 1
45768 Marl

BILDNACHWEIS

© Christina Kubisch, Fotograf: Skulpturenmuseum Glaskasten Marl

BESITZ

Dauerleihgabe von Jürgen Küpper.

LINKS

Homepage der Künstlerin: http://www.christinakubisch.de/