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12. Januar 2017 - von Claudia Posca

Wie war`s?

Dortmund

„Sag mal, was ist denn aus dem neuen Revier-Stipendium geworden? Wie hieß es noch gleich? RuhrResidence - Go & Return? Hattest Du nicht erzählt, dass unter den zehn Stipendiaten auch Stefano Cagol aus Italien ist, der schon mal mit der Wärmebild-Kamera im Essener Folkwang-Museum unterwegs war? Und die junge Video-Künstlerin Nicola Goerdes aus Bochum, die fürs Stipendium nach Washington zur Präsidentschaftswahl reisen wollte?“

Puh, was sich mein Freundeskreis so alles merkt.  Und worüber so hin- und her gedacht wird. Nicht schlecht. Ich hatte auf ein Weinchen eingeladen, von wegen Neujahr und so. Richtig schön, dass es so quirlig anfängt.

„Okay, ihr wollt den Rückblick? Kriegt ihr. Aber nur im Austausch gegen einen splendiden Ausblick. Deal?“

„Ja, aber zuerst Dein Part: RuhrResidence, wie war`s?“

Lange brauche ich nicht zu überlegen. Ein Satz klingt mir noch in den Ohren, auf der Residence-Abschlussveranstaltung „studio stage“ im Dortmunder Künstlerhaus am 16. Dezember ist er gefallen, - übrigens ans Kunsthaus Dortmund noch einmal Dank für tolle Gespräche und Lecker-Buffet! „Pimpen muss man hier wenig, das Stipendium hat einen Nerv getroffen, die Werke sprechen für sich“ hat es Stefanie Rogg, Projektmanagement Kreativ.Quartiere Ruhr, als Eröffnungsrednerin gesagt, sichtlich angetan von dem, was in nur einem Monat RuhrResidence an Erlebnis, Erfahrung, Bild, Collage, Installation, Klang, Musik, Film, Recherche heraus gekommen ist. Wahrlich Erstaunliches war das, künstlerische Magie statt knirschender Mechanik. Chapeau, liebe Residenten!

Dabei waren finite Werke für eine klassische Abschluss-Ausstellung gar nicht vorgesehen. „Maximale Freiheit“, ein „offener Werkbegriff“, das ja.  Da sind sich die beiden Kunsthaus-Chefs Uwe Schramm (Essen) und Peter Schmieder (Dortmund) absolut einig: „Wir wollen die Kunst frei denken, sie frei leben lassen, Möglichkeiten für kreatives Handeln schaffen. Wichtig ist doch die Frage, ob Reise und Residenz sinnvoll für den je einzelnen Kunstschaffenden sind, nicht, ob was Evaluierbares geliefert wurde.“

Weshalb das Schmieder-Schramm-Team zusammen mit dem Netzwerk „KunstVereine Ruhr“ für ein Revier-Übergreifendes Künstlerstipendium getrommelt hat. Seit über zehn Jahren schon, zur Förderung der Ruhrland-Kunstszene, zur Forcierung von Identitätsfindung und von interdisziplinärem, auch transnationalem Austausch. „Ohne, dass Abschlussergebnisse verfertigt werden sollen oder Messbares in Gestalt oder Wert erstellt werden muss“. Es geht um den Schutz von Kreativität.

Den besonderen Rohstoff: Kreativität als Kompetenz, hat inzwischen auch die Kulturpolitik entdeckt. Gut, bestens, klasse, dass das, was die RuhrKunstvereine schon lange fordern, seit letztem Jahr im aktuellen Kulturförderplan des Landes für 2016 bis 2018 als Pilotprojekt verankert wurde: „Die individuelle Förderung von Künstlerinnen, Künstlern und Kreativen in NRW ist ein wichtiges kulturpolitisches Ziel der Landesregierung… Mit ihr entwickelt das Land NRW einen neuen Förderstrang, bei dem die Arbeits- und Lebensbedingungen von Künstlerinnen, Künstlern und Kreativen in den Vordergrund der Kulturpolitik gestellt werden“ bringt es Ministerin Christina Kampmann auf den Punkt.

Davon hat das RuhrResidence-Projekt 2016 profitiert. Schauen und hoffen wir mal, dass das auch 2017 weitergeht, vielleicht sogar intensiviert.

„Lasst mich mal in Erinnerung schwelgen. Der 16. Dezember, Künstlerhaus Dortmund, das war ein echt klasse Abend. Super Stimmung, viel Publikum, die Stipendiaten: ein bisschen nervös, ein bisschen stolz, alle richtig gut drauf.“

Dabei hatten Axel Braun, Stefan Cagol, Marta Colombo, Jorn Ebner, Andreas Golinski, Nicola Gördes, Heike Kandalowski, Peter Strickmann, Adriane Wachholz und Katrin Wegemann noch ein Impulsreferat vor der Brust: „Herzliche Einladung zur großen Abschlusspräsentation mit Kurzvorträgen, Videos, Klangexperimenten, Installationen, Tanz und Trank“ war die Einladung verschickt worden. Die Einführungen ins Eigenwerk sollten die Residenten selbst stemmen. 

Was sie locker vom Hocker auch taten. Buntes, Kurioses, Faktenreiches aus Kopf und Bauch von der Basis: „Ich war in Island, es war großartig, abends war unser Theater das Nordlichtleuchten.“ „Das Projekt ist angestoßen, die Grundlagen sind gelegt.“ „Ich bin nicht fertig mit der Sache.“ „Ich fühl` mich unglaublich beschenkt.“ „Es sind Ideen entstanden.“ „Ich kann noch viel experimentieren.“ „Ich interessiere mich für wahre Geschichte.“ „Nacherleben, an Orte fahren.“ „Ich freu mich drauf, das Projekt weiter zu führen.“ „Ich war von der Situation sehr ergriffen.“ „Ich komme von der Zeichnung, jetzt bin ich bei der Collage gelandet.“ „Im Januar fahre ich wieder nach Washington.“ „Wie klingt das Ruhrgebiet?“

Ehrlich, das waren 90 Minuten Spannend-Report mit Lichtbild-Projektionen garniert, schön moderiert von Benedikte Baumann. „Ich sag`s euch, da kam hautnah rüber, wie Kunst entsteht, wie Großes im Kleinen steckt.“

„Du bist ja voll begeistert. Was sagen denn die Residenten zum Stipendium?“

„Ja, was wohl? „Richtig, wichtig, weiter machen! Die RuhrResidence ist gut fürs  Revier, gut für die Künstlerschaft.“

„Keine Kritik?“

„Doch, na klar. Auf die jedem Residenten gestellte Frage nach Verbesserungsvorschlägen kam postwendend: „Vier Wochen, das ist sportlich.“ „Eine länger dauernde Finanzierung ist wünschenswert.“ „In Nachhaltigkeit überführen.“ „Längerfristige Strukturen wären cooler.“

Kurz und gut, der Tenor war: „Mehr Zeit, mehr Geld.“ Was absolut verständlich ist. Mäuse, Muse, Muße hängen zweifellos zusammen.

„Das mit den Finanzen kann ja noch besser werden, wenn das Land mitspielt. Das ist doch ein Pilotprojekt: für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Kreative. Und dafür, den Standort NRW im internationalen Wettbewerb noch attraktiver für Revier-KünstlerInnen zu gestalten. Steht`s doch geschrieben, oder?

„Ja, so steht`s auf dem Papier.“ „Hast Du Zweifel? Hat doch gut angefangen!“

„Stimmt. Das macht Hoffnung. Vielleicht klappt`s ja sogar mit dem dritten Standbein der RuhrResidence. Angedacht ist ein parallel laufendes, mehrmonatiges Honorar-Stipendium mit der Offerte an Kunstschaffende, an einem frei gewählten Ort im Revier leben zu können und zu arbeiten. Drückt mal die Daumen. - Aber jetzt der Deal: euer Tipp für 2017?“

„Steht in Lünen, ist ein Open-Air-Licht-Kunstwerk, stammt von Martin Pfeiffle und wird Mitte Januar der Öffentlichkeit übergeben.“

„Klingt gut, merci, da geh` ich gucken. Und demnächst dann erzähl` ich wie`s war.“

Wie war`s?