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11. April 2018 - von Claudia Posca

Viele Beine, ein Körper

Ruhrgebiet

Simpatico. Und das nicht zu knapp: Die Urbanen Künste Ruhr, seit Januar unter neuer künstlerischer Leitung von Britta Peters, zuletzt Kuratorin im gefeierten Münsteraner Skulptur.Projekte-Team 2017, kümmern sich ab sofort nicht nur um Kunst und Werke, sondern auch ums Haustier.

Mehr Natur denn Stadt? Und das bei einer Institution, die 2012 aus den Aktivitäten der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 hervorgegangen ist?

Tatsächlich hätte es beinahe einen Vierbeiner gegeben. Aber für zu knapp befand Britta Peters die Symbolik von nur zwei Pfoten-Paaren als tragendem Säulenverband für eine Vielglieder-Institution mit Netzwerk- vernetzenden Strukturen. 

Bingo. Jetzt sind Sie im Bild. Statt um Tierromantik geht es um ein besonderes Icon von anschaulicher Symbolik. Für das, was Urbane Künste Ruhr praktiziert: Irritierendes rund ums Ruhrland zwischen Strukturwandel und Zukunft ästhetisch wirkmächtig unters Volk, in Stadt und Land zu bringen. Von Menschen für Menschen im Revier und darüber hinaus gemacht. Auf dass Dystopien zu Utopien werden.

„Der Begriff des Urbanen wird dabei – im Gegensatz zum homogenen Raum – als eine positiv besetzte Heterogenität sämtlicher Lebensbereiche verstanden“ teilt die noch relativ junge Institution als Teil der Kultur Ruhr GmbH mit Sitz in Bochum mit, deren Gesellschafter und Förderer das Land NRW und der Regionalverband Ruhr sind.

Zur Erinnerung: Die jetzt im sechsten Jahr und unter zweiter Leitung stehenden Urbanen Künste Ruhr sind „eine vielgestaltige, dezentrale Institution für Gegenwartskunst im Ruhrgebiet. Sie initiiert Projekte im öffentlichen Raum, Ausstellungen, Residenz-Programme und Veranstaltungen, häufig in Zusammenarbeit mit lokalen und internationalen Kooperationspartnern. Die Gesamtkonzeption basiert darauf, eine Struktur zu schaffen, bei der die künstlerische Neuproduktion von ortsbezogenen Arbeiten, die Stärkung und institutionsübergreifende, interdisziplinäre Vernetzung der regionalen Szene sowie der internationale Austausch im Vordergrund stehen.“

Ganz schön verfranst denken Sie,- und haben den Tausendfüßler als Icon schon im Kopf?  Spinne © Stefan Marx / Urbane Künste Ruhr 2018

Leider ver-raten. Gleiches gilt, wer Qualle oder Tintenfisch als symbolisches Motto-Tier favorisiert.

Was bleibt?

Richtig. Ein Krabbeltier aus der Klasse der Gliederfüßer mit wissenschaftlichem Namen Arachnida.

„Ich habe lange darüber nachgedacht, wie man diese besondere Arbeitsweise des Verknüpfens in einem Bild darstellen kann. Schließlich sind es ja nicht nur ein paar tragende Pfeiler, sondern viele existentiell notwendige und vor allem bewegliche Glieder, die das Ganze stützen und vorantreiben. Und so bin ich zu dem Bild der freundlichen Spinne gekommen, die der Hamburger Zeichner Stefan Marx für uns illustriert hat“, hat es Britta Peters am 13. März auf der Auftaktveranstaltung zu den nächsten fünf Jahren Urbane Künste Ruhr im Dortmunder „Theater im Depot“ erzählt. 

Und hat dem Revier freundlich, aber präzise, im Rahmen ihres, für die nächsten Monate fokussierten Mottos „Identität und Territorium“ sogleich und als „neu zugezogene Klappradfahrerin und ÖPNV- Nutzerin“ gesagt, dass ihr die Situation der verschiedenen Verkehrsverbünde im Revier dramatisch erscheine, „die sich offenbar nur mühsam zusammenraufen können und für kleine Teilstrecken – so sie denn überhaupt angeboten werden -  teilweise absurd hohe Preise aufrufen.“

Britta Peters und Henrike Naumann © Caroline Seidel / Urbane Künste Ruhr 2018 Ja, liebe Verkehrsverbünde, hört die Signale. Was eine 1967 in Birkenfeld an der Nahe geborene, in Münster aufgewachsene und seit dem Abi in Hamburg lebende Kulturwissenschaftlerin im Revier erlebt, stimmt rundum. „Diese Politik ist aus der Distanz betrachtet DER große Verhinderer der häufig viel beschworenen Metropolregion Rhein-Ruhr.“ Auch wenn es nicht leicht werden wird, frühere Urbane-Künste-Ruhr-Projekte zu toppen, wie etwa den fahrenden Zuschauerraum „Truck Track Ruhr“ oder die Open-Air-Ausstellungen in verschiedenen Städten unter dem Motto „Urban Lights Ruhr“, - wo die erfahrene Ausstellungsmacherin Britta Peters Recht hat, hat sie Recht. Der ÖPNV im Revier, das ist zweifellos ein Thema.

Andererseits ist die Wahl-Hamburgerin davon überzeugt, dass „das Ruhrgebiet über sehr gute Voraussetzungen für Kunstprojekte verfügt, die verschiedene Lebensbereiche berühren: Es gibt genügend Platz zum Arbeiten, ein breitgefächertes Interesse und auch Reibungspotential. Es reizt mich, diese Energie positiv zu nutzen.“

Ihr Bild dafür: ein Organismus, der viele Beine bewegt. Vernetzen und Netzespinnen ist angesagt. Ich bin gespannt, was die Urbanen Künste auf die Beine stellen. 

Vom „Ruhr Ding“ spricht die Nachfolgerin von Katja Aßmann. Und hat drei große Ausstellungen im Frühjahr 2019, im Herbst 2020 und im Frühjahr 2022 im Sinn. Sie stehen „ jeweils unter einer thematischen Klammer und zeigen mit einer gemeinsamen Kernlaufzeit 15 bis 20 einzelne Kunstprojekte an verschiedenen Orten im Ruhrgebiet …Die Neuproduktionen für das „Ruhr Ding“ bilden den Körper, das energetische Zentrum, das durch die verschiedenen Kooperationen und das Arbeiten mit den vorhandenen Initiativen getragen und lokal verankert wird.“

Dr. Vera Battis-Reese, Britta Peters, Henrike Naumann, Karola Geiß-Netthöfel © Caroline Seidel / Urbane Künste Ruhr 2018 Die Idee dahinter: die von neu initiierten Künstler-Residenz-Stipendien flankierten „Ruhr Dinger“ über begleitende „Wandersalons“ frühzeitig öffentlich zu machen, um den Fortgang von Ausstellungs- und Projektentwicklung transparent zu kommunizieren, einmal im Monat, an verschiedenen Orten im Revier. So wie jetzt zum ersten Mal im Dortmunder „Theater im Depot“, wo im Rahmen des ersten Wandersalons die 1984 im sächsischen Zwickau geborene Medienkünstlerin Henrike Naumann zur Alltagsrealität in Ostdeutschland nach 1989 und über rechtsextreme Gewalt im Westen mit den Mechanismen von Radikalisierung, persönlicher Ohnmachtserfahrung und Jugendkultur referierte. Kommend, am 18. April, soll`s dann den nächsten „Wandersalon“ geben: in der Fan-Kneipe von Rot-Weiß Oberhausen. Der schottische Künstler Roderick Buchanan wird dort sein Format ´Kunst & Spiel` vorstellen wird. Mal sehen, was ihm ins Netz geht.

„Alle Themen sind so gewählt, dass sie das Ruhrgebiet heute, die Menschen und die Bedingungen unter denen Sie oder wir hier leben, zum Ausgangspunkt nehmen und gleichzeitig eine globale Dimension und Bedeutung bekommen. Die Situation im Ruhrgebiet ist untrennbar verbunden mit dem Rest der Welt“, sagt eine Kulturwissenschaftlerin, die über den Tellerrand blickt.

Und die das Zeug hat, einen glitzernden Ariadnefaden vom Urbanen zum Globalen zu spinnen. Ich freu` mich drauf.


Termine der nächsten Veranstaltungen der Reihe "Wandersalon":

18. April 2018, 19 Uhr          

Roderick Buchanan (Schottland)
Fankneipe von Rot-Weiß Oberhausen, Stadion Niederrhein, Lindnerstraße 2-6, 46149 Oberhausen

Der schottische Künstler stellt in der Fankneipe des Traditionsvereins Rot-Weiß Oberhausen seine Arbeit vor, in der das Format des Spiels immer wieder auftritt. Unter anderem richtete er 2006 ein Fußballturnier aus, an dem nur Spieler teilnehmen durften, die nicht nur gute Fußballer, sondern auch gute Künstler sein mussten.

 

27. Mai 2018, 19 Uhr            

Orsolya Kalász, Dichterin & Andy Vazul, Musiker (Deutschland/Ungarn)
Weinlokal Le Chat Noir, Brigittastraße 22, 45130 Essen

In einer experimentellen Mischung aus Lesung und Konzert präsentieren Kalász und Vazul gemeinsam lyrische Arbeiten der Dichterin, in denen die Sprache als Identitätsmoment eine wichtige Rolle spielt.

 

6. Juni 2018, 18 Uhr              

Peggy Buth, Künstlerin (Deutschland)
Kino im U, Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund

Die Künstlerin stellt einige ihrer Videoarbeiten vor, von denen gleichzeitig eine als Video des Monats im Hartware MedienKunstVerein (HMKV) im Dortmunder U zu sehen sein wird.

Weitere Termine folgen.


Abbildungen: 

Teaserbild: Britta Peters © Caroline Seidel / Urbane Künste Ruhr 2018

Spinne, © Stefan Marx / Urbane Künste Ruhr 2018

Britta Peters und Henrike Naumann © Caroline Seidel / Urbane Künste Ruhr 2018

Dr. Vera Battis-Reese, Britta Peters, Henrike Naumann, Karola Geiß-Netthöfel © Caroline Seidel / Urbane Künste Ruhr 2018

Viele Beine, ein Körper